Was der Damwildjäger wissen sollte – Bevor es ans Jagen geht

Wer nur gelegentlich auf Damwild jagt, zum Ansitz auf Kahlwild,  junge Hirsche oder gar auf den Brunftschaufler eingeladen wird, sollte nicht nur dem zu erwartenden Jagderlebnis entgegenfiebern – sich eine Verbundenheit zum Wild schaffen, gehört dazu, bevor es ans Jagen geht.

Sehr unterschiedlich sind die jagdlichen Zielsetzungen beim Damwild, je nach Wildbestand und Struktur des Reviers. Der Feldjäger, in dessen Revier sporadisch Damwild als Wechselwild auftaucht, denkt an den interessanten Abschusshirsch im Feisthirschrudel, den er wochenlang im großen Getreideschlag beobachten konnte, der aber mit der Getreideernte aus dem Revier verschwunden ist. Er sollte die Zeit nutzen, mit Aufgang der Jagdzeit im Juli auf Schmalspießer und Schmaltiere ansitzen, um den freigegebenen Abschuss zu erfüllen.

Das Kahlwild ist ganzjährig recht standorttreu, während der Aufzucht der Kälber auf einen engen Radius beschränkt. Dagegen haben die Hirsche seit dem Frühjahr weit ab vom Brunftrevier ihren Einstand genommen. Die Zusammensetzung dieser Hirschrudel wechselt gelegentlich. Schmalspießer tragen bereits Anfang Juli blank gefegte Spieße, der ältere Hirsch verfegt erst Ende August und Hirsche vom zweiten Kopf begegnen uns auch bei Aufgang der Jagdzeit Anfang September noch mit Bastfetzen am Geweih.

Spätestens jetzt werden die Zweckgemeinschaften in der Männergesellschaft aufgekündigt und gelegentliches Geweihklappern im Revier kündet von zurückhaltender Klärung der Rangordnung.

Damwildjäger im Wechselwildrevier seinen Hirsch bis Anfang Oktober nicht zur Strecke gebracht werden seine Erfolgsaussichten immer geringer, denn die Hirsche verschwinden in Richtung Brunftrevier. Vor Ende November wird er nun kaum wieder einen Hirsch in Anblick bekommen.

Deckung und Äsung im Brunftrevier

Einzeln oder in kleinen Trupps erscheinen die Hirsche im Brunftrevier, und die wenigen ranghohen unter ihnen besetzen alsbald die traditionellen genutzten Brunftplätze. Schon kleinere Wälder können dafür geeignet, wenn ausreichende Deckung dem Kahlwild Sicherheit bietet und Äsung erreichbar ist. Besonders attraktiv sind Laubwälder mit Mast tragenden Altbäumen. Hier markiert der starke Schaufler nun optisch und geruchlich den Nahbereich seines Areal und schlägt mehrere Brunftkuhlen. Aber Plätz- und Schlagstelle sowie Kampfspuren auf den Wegen verraten dem Waldjäger dass die Herren Schaufler im Revier sind und die Brunft bevorsteht. Auch mit gelegentlichen kurzen Schreien, besonders in den Morgen- und Abendstunden, machen die Hirsche auf sich aufmerksam. In dieser Zeit bietet sich Gelegenheit bei Ansitz und Pirsch einen Abschusshirsch zu strecken.

Brunftrituale der Schaufler

Während der Rothirsch schon lange vor der Brunft zu seinem Rudel tritt und es argwöhnisch begleitet und bewacht, beobachten wir beim Damwild ein völlig anderes Brunftritual. Die ranghohen Schaufler besetzen die Brunftplätze und machen durch ihre schnarchenden Brunftschreie auf sich aufmerksam. Das brunftige Wild zieht zu diesen wenigen Hirschen und lässt sich auch nur von diesen beschlagen. Es drängt sich die Vermutung auf, dass die eine weise biologische Regelung ist, damit nur die vitalsten Hirsche ihr Erbgut weiter geben können. Es ist davon auszugehen, dass die brunftigen Tiere und Schmaltiere auf diese Weise den ständigen

Belästigungen geringer Hirsche bis hin zum Spießer entgehen, was natürlich zu demselben Ergebnis führt. In unmittelbarer Nähe des Platzhirsches haben sie ihre Ruhe, so lange sie sich nieder tun. Ist die Paarungsbereitschaft eingetreten, werden sie innerhalb weniger Tage mehrfach beschlagen und können den Brunft Platz nun verlassen, ohne Belästigungen. So kommt es um einen Platzhirsch zeitweise zu einer erheblichen Ansammlung von Kahlwild, das ständig von wechselnden Beihirschen in respektvollem Abstand umkreist wird. Unterschreitet ein Beihirsch die Bannmeile, so wird er durch eine heftige Attacke des Platzhirsches auf Distanz gebracht. Da nicht alles Kahlwild gleichzeitig brunftig wird, erstreckt sich die Hauptbrunft über gut zwei Wochen. Der Platzhirsch schreit Tag und Nacht fast ohne Unterbrechung. Häufiges Beschlagen und die Notwendigkeit, ständig Nebenbuhler abzuwehren führen dazu, dass er sich nach acht bis zehn Tagen total erschöpft zurückziehen muss, um in diesem Zustand einer Auseinandersetzung mit einem anderen ranghohen Schaufler zu entgehen. Nach einer kurzen Regeneration von ein bis zwei Tagen kann er aber wieder auf dem Platz auftauchen. In Revieren mit extrem hohem Wildbestand kommt es zu einem Brunftbetrieb, bei dem auf relativ engem Raum zahlreiche Hirsche in Sichtkontakt zueinander brunften. Nach meinen Beobachtungen sind die Hirsche, die über einen längeren Zeitraum einen Hauptbrunftplatz halten, mehrheitlich im Alter von sechs bis acht Jahren. Sie tragen auch nach Punkten gemessen die stärksten Geweihe. Die älteren Schaufler ab dem zehnten Kopf finden wir eher abseits des Getümmels. Sie tragen zwar nicht die punkteträchtigsten, aber mit ihren typischen Altersmerkmalen für den Kenner die attraktivsten Geweihe. Ist durch Übernutzung dieser Altersklasse der Bestandsaufbau gestört, so können auch jüngere Hirsche einen Brunftplatz besetzten. Es wäre leichtfertig, nur aus dem Platzhirschstatuts auf einen reifen Hirschen zu schließen.

Schwierige Altersansprache

Überhaupt ist die Altersansprache des Schauflers außerordentlich schwierig. Wenn wir dem Platzhirsch erstmals Anfang Oktober begegnen, suggeriert er uns mit wuchtigem Träger einen alten Herrn und am Ende der Brunft, wenn er bis zu fünfundzwanzig Kilo an Gewicht verloren hat, verwirrt er uns mit völlig verändertem Aussehen. Da hat es der Jäger im Haupteinstandsrevier mit mehreren Brunftplätzen leichter, weil er die verschiedenen Platzhirsche vergleichen kann. Sorgsames Abwägen ist hier geboten, sonst findet die Freude über den reifen Schaufler zu leicht an jugendlichen Zähnen ihre Ernüchterung.

Hochsitze in Durchzugsorten – Schirme an Brunftplätzen

Während der Jäger im Wechselwildrevier von Ansitzleitern und Hochsitzen unter Ausnutzung von Wechseln und interessanten Äsungsplätzen jagt, tut der Waldjäger gut daran, seine Hauptbrunftplätze rechtzeitig durch Pirschwege und Ansitzschirme für eine störungsfreie Beobachtung zu erschließen. Hier kann er in der Hochbrunft während weniger Stunden die Mehrzahl der Hirsche seines Reviers beobachten. Ob er an diesem Brunftplatz einen Hirsch erlegt, bleibt ihm überlassen aber er sollte bedenken, dass jede Störung am Hauptbrunftplatz beträchtlichen Stress zur Folge hat. Wenn der Platzhirsch einige Stunden nach der Störung zurückkommt, kann es durchaus sein, dass sich schon ein Rivale etabliert hat, der den Platz nicht kampflos räumt. Die Erlegung geringer Abschusshirsche habe wir dort stets vermieden, sie können beim Ansitz zwischen den verschiedenen Brunftplätzen genauso erfolgreich bejagt werden. Aus Gründen der Wildbrethygiene müssen wir die Bejagung des Brunfthirsches sowieso überdenken. Die Bejagung des Kahlwildes sollte in der Brunftzeit gänzlich unter bleiben. In dieser sensiblen Zeit gilt es, jede unnötige Störung zu vermeiden. Darüber hinaus haben die Alttiere ihr Kalb oft nicht dabei. Der schlimmste Anblick für einem Jäger: an ein erlegtes führendes Tier mit prallem Gesäuge heranzutreten und es aufbrechen zu müssen.

Hegerichtlinien fehlerarm umsetzen

Spätestens Anfang November ist der Brunftbetrieb vorbei. Die brunftaktiven Hirsche nehmen nach fast Wochen erstmals wieder Äsung auf und spätestens im Dezember ziehen die meisten von ihnen wieder in ihre gewohnten, oft weit entfernten Feisthirscheinstände. Nun haben auch die Damwildjäger abseits der Brunftreviere wieder eine Chance, zu Schuss zu kommen. Fast flächendeckend wird das Hochwild in der Obhut von Hegegemeinschaften bewirtschaftet und diese haben im Anhalt an die Bejagungsrichtlinien der einzelnen Bundesländer Bejagungskonzepte beschlossen. Diese gilt es möglichst fehlerarm umzusetzen. Hegegemeinschaften sind, da wir unser Wild in den Grenzen unserer Jagdbezirke bejagen, eine unentbehrliche Organisation, um die revierübergreifende Bewirtschaftung unserer Hochwildbestände zu gewährleisten. Aber wir sind mehrheitlich noch weit von der idealen Hegegemeinschaft entfernt, in der die Jäger nicht nur bei der Bejagung über ihre Reviergrenzen hinweg kooperieren.

Vielleicht bleibt es eine Vision, aber es würde sowohl dem Wild als auch uns Jägern dienen, wenn Jagdnachbarn nicht nur ihre Beobachtungen austauschen, sondern der Mitteilung “dein gesuchter Hirsch steht bei mir im Revier“, das Angebot zum gemeinsamen Ansitz folgen lassen würde.

Was wäre das für eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn aus meinem und deinem Hirsch unsere Hirsche würden. Es gibt gute Beispiel Kooperationen dieser Art, aber es sind noch viel zu wenige. Manch ein übereilter Schuss bei ungünstigen Lichtverhältnissen ließe sich vermeiden und mit Sicherheit würden mehr Hirsche das angestrebte Zielalter erreichen.

 DAMWILDJAGD-REGELN

Vor der Brunft

  • Im Feld- und Heckenrevier mit Aufgang der Jagdzeit auf Schmaltiere und Schmalspießer ansitzen.
  • Im Wechselwildrevier bis Anfang Oktober auf Schaufler jagen; spätestens zur Maisernte wechseln Hirsche ins Brunftrevier
  • In der Vorbrunft im Brunftrevier auf Abschusshirsche ansitzen und pirschen

Während der Brunft

  • Achtung! Auf Hauptbrunftplätzen mehrheitlich 6- bis 8jährige Schaufler, tragen die auffallend stärksten Geweihe
  • Schaufler ab 10. Kopf meist abseits vom Brunftplatz, Schaufeln zeigen typische Altersmerkmale
  • Geringe Hirsche zwischen den Brunftplätzen erlegen.
  • Abschuss am Hauptbrunftplatz stört Brunftgeschehen.
  • Kahlwild nur abseits vom Brunftgeschehen bejagen (am Brunftplatz meist Kalb nicht dabei)

Nach der Brunft

  • Ende November/Anfang Dezember verlassen die meisten Hirsche das Brunftrevier, suchen Feisteinstände (Feldgeholze ihre Hecken) auf dort ansitzen, aber nicht pirschen.
  • Kahlwild an Daueräsungsplätzen tagsüber bejagen; erst das Kalb, dann das Tier Ansitzdruckjagd im Wald – ohne Hunde
  • Damwild durch Treiber ruhig angerührt, kommt es den Schützen im leichten Troll
  • Ansitzdrückjagd im Feld Schützen im Dunkeln anstellen, kleine Einstände mit wenig Treibern anrühren

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