Steinwild – Wildbiologie

Steinwild (als Sammelbezeichnung gilt auch Steinböcke) kommt in mehreren Unterarten in den Hochgebirgen Europas Asiens und Nordafrikas vor. Unser Alpensteinbock wäre im 17/18. Jahrhundert fast ausgerottet worden. Vor allem, weil man der Ansicht war, die Organe des Steinwildes besäßen Heilkräfte. Diese Fehleinschätzungen hielten sich z.T. bis in die jüngste Vergangenheit. Verschiedenen Körperteilen des Steinwildes wurden im Aberglauben wundertätige Heilwirkungen nachgesagt.

Und nicht nur Jäger, auch Wilderer stellten diesem imposanten Wild nach, um mit dem Herzknorpel, mit dem pulverisierten Horn, mit Bezoarsteinen oder selbst mit der Losung der Tiere einträchtige Geschäfte zu machen. Nur im Gran Paradiso, dem heutigen Nationalpark in den Grajischen Alpen (damals Hofjagd des italienischen Königs) war ein geringer Bestand des Steinwildes erhalten geblieben. Von diesem Wild und von Nachzüchtungen in Wildgehegen und Zoos wurden Anfang des 20. Jahrhunderts fast alle heutigen bestehenden Steinwildvorkommen im Alpenraum begründet. In der Schweiz und in Österreich haben sich die Bestände inzwischen wieder soweit erholt, dass sie als gesichert gelten, und eine planmäßige Bejagung ist möglich geworden.

Beschreibung der Wildart

Der Alpensteinbock ist ein ausgesprochenes Hochgebirgswild. Ähnlich wie das Gamswild verfügt auch das Steinwild über einige Besonderheiten wie z. B. ein relativ großes leistungsfähiges Herz, einen hohen Anteil roter Blutkörperchen und ein gutes Masse-Oberflächenverhältnis. Damit ist eine Anpassung an den extremen Lebensraum gewährleistet. Der gedrungene Körperbau, relativ kurze kräftige Läufe und ein kleines Haupt mit kurzen Lauschern lassen der Steinbock plump aber muskulös erscheinen. Der Alpensteinbock ist ein gewandter Kletterer aber ein schlechter Läufen. Bei Flucht werden gern unzugängliche Felspartien auf gesucht. Dieses Verhalten begründet u.a. auch, warum sich Steinwild wenig ausbreitet. Nur bei älteren Tieren können in Ausnahmefällen größere Wanderbewegungen festgestellt werden. Das Haarkleid jüngerer Böcke und der Geißen ist im Sommer kurzhaarig und hell ockerbraun. Die Winterdecke ist lang haarig und hat eine gelblich-graue Färbung. Diese fahle Färbung begründet auch die Bezeichnung als „Fahlwild“. Die Schulterhöhe der Böcke beträgt etwa 70 bis 100 Zentimeter. Es können Gewichte bis 120 Kilogramm erreicht werden. Die Geißen sind etwas kleiner, sie werden nur bis maximal 80 cm hoch, und ihre Körpergewichte betragen nahezu bis 50 Kilogramm. Die Lebenserwartung der Geißen liegt bei etwa 17 bis 18 Jahren, die der Böcke bei 13 bis 15 Jahren, Neugeborene Steinkitze sind mit 3 kg Geburtsgewicht nicht viel schwerer als Gamskitze (2,5 kg) Steinböcke erreichen aber erst mit 8 10 Jahren volle Größe und höchstes Körpergewicht, Gamsböcke mit 5 Jahren. Die Brunft des Steinwildes findet im Januar/Februar statt. Im Juni setzt die Geiß dann ein, seltener zwei Kitze.

Weidmännische Ausdrücke beim Steinwild

Lebensweise

  • Steinwild lebt gesellig. Außerhalb der Brunft bilden Geißen und Jung wild als Familienverbände Rudel
  • Im Alter von 2 bis 3 Jahren verlassen die Böcke den Familienverband und sind dann in den Rudeln der Böcke zu finden
  • Ältere Böcke werden zu Einzelgängern
  • In ruhigen Gebieten ist Steinwild tagaktiv und kann sehr vertraut sein
  • Gegen Kälte ist es unempfindlicher als gegen Hitze

Steinwild lebt gesellig. Es bildet Rudel, nach Geschlechtern getrennt

Lebensraum / Ernährung

  • Steinwild bewohnt vorwiegend hochalpine, felsige Gebirgslagen zwischen 1800 und etwa 3300 Meter kann aber auch in bedeutend höheren Lagen ausweichen
  • Im Winter stellt es sich in tiefere Lagen (Waldgrenze) ein Bockrudel stehen in der Regel höher als die Geißrudel Jahres- bzw. tageszeitliche Wanderungen werden durch das Äsungsangebot und Witterungsunbildeln ausgelöst.
  • Bergwälder werden fast nie aufgesucht. Vorwiegend werden Gräser geäst
  • Der Anteil liegt bei 70 bis 90 Prozent. Der Rest sind Kräuter und Laubgehölze. In Notzeiten wird auch auf Moose und Flechten ausgewichen.
  • Die Unterschiede der Äsungszusammensetzung entstehen vor allem durch das Vorhandensein bestimmter Äsungspflanzen im Lebensraum

Kommt im gleichen Gebiet Gamswild vor (ähnliches Nahrungsspektrum), wird dieses durch das in der Hierarchie über der Gams stehende Steinwild verdrängt

Sinne/Lautäußerungen

  • Besonders gut ausgeprägt ist der Gesichtssinn. Die Lichter liegen seitlich am Haupt. Bewegungen und Kontraste werden schnell wahrgenommen.
  • Aber auch Gehör und Nase sind gut entwickelt und werden genutzt, um Feinde zu erkennen
  • Die oft zu beobachtende geringe Fluchtdistanz des Steinwildes, vor allem der Bockrudel, ist in den meisten Fällen auf die Nichtbejagung zurückzuführen
  • Steinwild reagiert auf Menschen relativ vertraut.
  • Kontaktlaute im Rudel, vor allem Muttertier Kitz, sind ein leises Meckern
  • Der Steinbock warnt mit einem Pfiff (ähnlich der Gämsen)

Fährte / Losung

  • Die Losung sind Einzelbohnen, die im Frühjahr (äsungsbedingt) auch zu Trauben zusammengepresst sein können.
  • Es besteht eine große Ähnlichkeit zur Losung der Hausziege.
  • Die Fährte ist der des Gamswildes ähnlich, aber stärker
  • Das einzelne Trittsiegel ist etwa 7 bis 10 cm lang und 5 bis 6 cm breit.
  • Der harte Schalenrand ist im Trittsiegel deutlich zu sehen
  • Die Fluchtfährte ist durch das starke Spreizen der Schalen zu erkennen
  • Im steilen Gelände werden auch die Afterklauen als Hilfsmittel eingesetzt

Schalen des zeichnen sich durch harte scharfkantige und durch weiche, fast gummiartige Ballen aus.

Zahnentwicklung

  • Das Dauergebiss vom Steinwild hat 32 Zähne
  • Eine Altersschätzung nach Abschliff der Backenzähne ist schwierig bzw. fast nicht möglich
  • Der Zahnwechsel lässt eine Altersschätzung (ähnlich wie bei der Gams) bis etwa zum 4. Lebensjahr zu

Das Gebiss von Stein- und Gamswild ist gleich aufgebaut

Brunft/Fortpflanzung

  • Je nach Kondition des Einzeltieres oder der Wilddichte im Gebiet das Steinwild ab 2. bis 3. Lebensjahr geschlechtsreif.
  • Die Brunft erstreckt sich auf die Monate Dezember und Januar, mit Höhepunkt Ende Dezember, und findet bereits in den Wintereinständen statt
  • Stehen etwa gleichstarke Böcke im Rudel, kommt es zu Kämpfen
  • Die Kämpfe sind mehr oder weniger ritualisiert und mehr ,,spielerisch“
  • Typisch ist dabei das Aufstellen auf die Hinterläufe, dem folgt das Aufeinanderschlagen der Hörner. Verletzungen sind dabei äußerst selten.
  • Nach einer Tragzeit von 22 bis 24 Wochen werden im Juni ein selten zwei Kitze gesetzt.
  • Die Kitze können bereits kurz nach der Geburt der Geiß in schwieriges Felsgelände folgen
  • Die Dauer der Säugezeit kann bis 1 Jahr betragen

Trophäe/Trophenentwicklung

  • Bock und Geiß tragen beim Steinwild nach Form und Länge unterschiedliche Hörner. Besonders das Horn des Steinbockes fällt durch seine Ausmaße auf.
  • Trophäengewichte über 100 Kilogramm sind keine Seltenheit. Die Schlauchlängen erreichen eine Länge von 1 bis 1,30 Meter. Der Hornschlauch des Bockes hat einen dreieckigen bis trapezförmigen Querschnitt und nach dem zweiten Winter werden jährlich zwei Schmuckleisten an den Vorderseiten gebildet.
  • An den Seiten bzw. an der Rückseite der Hörner sind rillenartige Vertiefungen, die Jahresringe, zu erkennen. An den Jahresringen kann das Alter erlegter Tiere geschätzt werden.
  • Die Hauptwachstumszeit des Gehörns sind die ersten 5 Jahre
  • Bei alten Böcken kann die Hornspitze stark abgenutzt sein
  • Die Hörner der Geißen werden etwa 30 Zentimeter lang, haben einen ovalen Querschnitt und die Schmuckleisten sind nur schwach ausgebildet.
  • Zur Altersschätzung sind sie nur eingeschränkt zu gebrauchen
  • Auffallend sind beim Bock die starken Schmuckwülste (Hornleisten). Hierbei handelt es sich nicht um die Jahresringe

Krankheiten

  • Beim Steinwild können Krankheiten besonders in nicht optimale Lebensräumen (Einbürgerungen!) oder bei zu hohen Wilddichte auftreten.
  • Bestimmte Krankheiten können auch von Haustieren, z.B. Schaf oder Ziegen, bei Überschneidungen der Lebensräume Steinwild den genutzten Weideflächen übertragen werden
  • Als bakterielle Erkrankungen können Moderhinke und Gamsblindheit auftreten
  • Räude sowie Lungen- bzw. Magen- und Darmwürmer werden durch Parasiten übertragen
  • Aber auch Tollwut, Maul- und Klauenseuche treten auf.

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