Sommerjagd auf Damwild nicht ohne Tücken

Bereits ab 1. Juli kann Damwild nach der Bundesjagdzeiten- Verordnung erlegt werden, Schmalspießer und Schmaltiere sind frei. Ende Mai setzen die ersten Damtiere. Und das genau ist der Grund, weshalb die Jagd auf Schmaltiere zu dieser Zeit problematisch ist und einige Bundesländer sie erst später gestatten. ob überhaupt so früh weibliches Wild bejagt werden sollte, hängt von den lokalen Gegebenheiten ab.

Augen auf beim Ansprechen Damtiere setzen ihre Kälber in der Zeit von Ende Mai bis Anfang Juli, wobei die Mehrzahl der Kälber, etwa 80%, im Juni das Licht der Welt erblickt. Daher muss der Jäger, will er Schmaltiere ab dem 1. Juli bejagen (diese Möglichkeit räumen das Bundesjagdgesetz und einige Bundesländer, u a. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ein), bereits vom ersten Tag der Jagdzeit an mit führenden Alttieren rechnen.

Ein Beispiel: Der Jäger sitzt Mitte Juli im Revier, und noch früh am Abend ziehen aus bürstendichtem Laubholzunterwuchs zwei weibliche Stücken Damwild auf die Äsung. Beide Stücke haben ein noch recht jugendliches Aussehen. Handelt es sich um zwei führende Tiere, die ihre Kälber abgelegt haben oder folgt dem einen jungen Tier das vorjährige Kalb, was sich zum Schmaltier gemausert hat, oder stehen vor dem Jäger zwei Schmaltiere? Darauf gibt es nur eine Antwort: Wenn sich keine Gelegenheit ergibt, die Stücke spitz von hinten anzusprechen, ob Gesäuge ja oder nein, dann hat der Schuss zu unterbleiben. Ist die Vegetation bereits so hoch, dass man weder die Spinne noch die eventuell hinter den Tieren herziehenden Kälber wahrnehmen kann, darf ans Schießen überhaupt nicht gedacht werden. Bevor die Sommerjagd auf Damwild aufgeht, muss sich der Jäger zunächst die biologischen Abläufe, die auch beim Damwild nicht nach Schema F verlaufen, in Erinnerung rufen.

Die Schmaltiere ziehen dann für kurze Zeit allein oder schließen sich mit anderen Schmaltieren zusammen. Sobald das Muttertier das Kalb führt, schließt sich das Schmaltier wieder an. Da die Setzzeit, wie bereits erwähnt, von Ende Mai bis Anfang Juli andauert, sind in diesem Zeitraum Schmaltiere allein, zu zweien bzw. zu dritt oder im Familienverband anzutreffen. Diese Situation erschwert besonders im Juli das Ansprechen des weiblichen Damwildes was ist Alttier, was Schmaltier. Verschiedene Bundesländer weichen von der Bundesregelung ab, z B. Thüringen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, also Länder, in denen Damwild in nennenswerten Beständen vorkommt. Hier sind die Damschmaltiere erst ab 1. September frei.

Jagdzeiten- Unterschiede:

Warum diese abweichenden Regelungen? Zunächst muss man feststellen, dass keine auffälligen landestypischen Unterschiede der Damwildeinstände oder andere Besonderheiten existieren, die solche erheblichen Abweichungen der Jagdzeiten rechtfertigen. Schaut man sich die Fortpflanzungsbiologie des Damwildes an, wird der Grund, von der Bundesverordnung abzuweichen, sichtbar. Diese Länder wollen per Gesetz ausschließen, dass im Sommer statt eines Schmaltieres ein führendes Alttier zur Strecke kommt. Das ist an und für sich eine löbliche Absicht, verhindert aber dadurch  den Vergrämungsabschuss des einen oder anderen Schmaltieres oder Schmalspießers zur Wildschadensabwehr im Feld von vornherein.

Altersmerkmale Schmaltier / Alttier

Doch Gesetz hin oder her es kommt bei der Bejagung von Damschmaltieren (ebenso bei Rotschmaltieren und Schmalrehen) mehr auf die Kenntnisse über die Lebensweise der Wildart und das Verantwortungsbewusstsein des Jägers an als auf Jagdzeitenregelungen. Man kann auch am 1. September einem Kalb das Tier wegschießen.

Wie lassen sich aber ein führendes Alttier und Schmaltier sicher voneinander unterschieden?

Bis zum 1. Juli wird der Jäger in den meisten Damwildpopulationen Tier und Schmaltier anhand der körperlichen Stärke auseinanderhalten können. Zu dieser Zeit haben Tiere meist wesentlich mehr als 30 kg aufgebrochen und Schmal liegen in der Regel deutlich darunter. Allerdings ist dieser Unterschied nur dann als solcher erkennbar, wenn mehrere Stücke zusammen stehen, ein direkter Vergleich möglich ist. Relativ einfach wird es wenn Alttier zusammen mit Kalb und Schmaltier vertraut anwechseln. Familienverbände sollte man aber nur dann bejagen, wenn das Wild im Revier nicht zur Bildung von Großrudeln neigt. Aus Großrudeln ein Schmaltier heraus zuschießen, erfordert Erfahrung im Ansprechen, Geduld und eine Portion Glück, um alle Altersmerkmale in den Blick zu bekommen

Welche Altersmerkmale sind für das Schmaltier typisch?

Von den wenigen Merkmalen, die ab Juli das Schmaltier vom jungen Alttier unterscheiden, wären der schlanke Rumpf mit gerader Rücken- und Bauchlinie zu nennen und der dünne Träger. Um das zu beurteilen, müssen die Stücke frei stehen. Dann sieht der Jäger, dass es sich bei dem hochläufig wirkenden Stück um ein Schmaltier handeln könnte. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Das Schmaltier ist von „vorn bis hinten“ glatt, beim führenden Alttier sind im Juli die Flämen leicht eingefallen. Den Ausschlag, ob es sich wirklich um ein Schmaltier handelt, gibt der Blick spitz von hinten auf das Stück. Wenn zwischen dem schwarzen Hinterteilkranz nichts dick, diese Partie ganz schlank ist, handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um Schmaltier. Bei all den Unwägbarkeiten beim Ansprechen stellt man sich die Frage, ob das schwierige Herausfinden eines Schmaltieres aus dem Rudel überhaupt notwendig ist?

Verhalten beobachten

Wenn ein größeres Rudel im Feld vor dem 1. September zu Schaden geht zwei oder drei weibliche Stücke und ein oder zwei Kälber ist guter Rat teuer. Zunächst muss man sicher sein, dass es sich bei den beobachteten Stücken um alle handelt, denn oftmals folgt das Kalb nicht unmittelbar der Mutter, kann sich noch im Holz befinden und erst später zum Rudel aufschließen. Wer gehört zu wem? Ist ein sicher ansprechbares Schmaltier dabei? Fragen, die erst nach langer Beobachtungszeit geklärt werden können Wenn man sich nicht sicher ist, bleibt die Kugel im Lauf! Vielleicht wechseln ein oder zwei Spießer in die Nähe, auf die der Jäger zu Schuss kommen kann. Gut zu wissen: Die Kälber werden mitunter für kurze Zeit in der Deckung abgelegt. Wenn also z. B. im Juli ein einzelnes Tier in Anblick kommt, so muss es sich dabei nicht unbedingt um ein Schmaltier handeln. Hier heißt es geduldig warten, bis das Kalb sichtbar wird oder zweifelsfrei kein Gesäuge zu sehen ist.

Nicht mit ,,Gewalt“ Strecke machen.

Keiner ist gezwungen am 1. Juli ein Damschmaltier zu erlegen. Wer das möchte, weil z. B. die schwachen Schmaltiere am besten angesprochen werden können oder weil die Wildschadenssituation im Feld das erfordert, der muss über die nötige Erfahrung und über entsprechendes Verantwortungsbewusstsein verfügen. Es geht also bei der Sommerjagd auf Schmaltiere nicht darum, mit aller Gewalt Strecke zu machen. Man hat durch den frühen Jagdbeginn vielmehr die Möglichkeit, unbedingt abschussnotwendige Stücke als solche anzusprechen und zu erlegen. Auch bei Wildschäden im Feld kann in die Klasse der Schmalspießer eingegriffen werden. Die hauptsächliche Erfüllung des Abschussplans hat nach wie vor zwischen dem 1.9. und dem Jahresende zu erfolgen.


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