Lautäußerungen beim Schwarzwild

Blasen, brummen, grunzen, quieken, klagen die „Sprache“ des Schwarzwildes ist äußerst vielfältig und facettenreich. In welchen Situationen Sauen, welche Laute von sich geben, ist für das Verhalten des Jägers und den jagdlichen Erfolg nicht unerheblich.

Es ist eine Tatsache, dass unsere Sauen zu den ,,gesprächigsten“ Schalenwildarten gehören. Sie sind weitaus mehr in der Lage als andere Wildarten, Stimmungen und Gemütsverfassungen durch Laute Ausdruck zu verleihen. Das sind nicht nur meine Beobachtungen. Diese Erfahrungen haben viele passionierte Schwarzwildjäger gemacht. Renommierten Wildforschern ist es zu danken, dass die umfangreichen Lautäußerungen des Schwarzwildes richtig gedeutet und den jeweiligen Situationen zugeordnet wurden. Man muss also häufig, möglichst zu allen Jahres- und Tageszeiten sowie bei unterschiedlicher Witterung im Revier sein, vor allem in den Einständen des Wildes, an seinen Fraß- und Ruheplätzen, um die ,,Sprache der Sauen“ zu vernehmen.

Differenzierung schwierig

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Es ist das sage ich voller Ãœberzeugung sehr schwer, die oft feinsten Nuancen der Laute auseinanderzuhalten. Viele Laute ist es zu danken, dass die umfangreichen Lautäußerungen des Schwarzwildes richtig gedeutet und den jeweiligen Situationen zugeordnet wurden. Man muss also häufig, möglichst zu allen Jahres- und Tageszeiten sowie bei unterschiedlicher Witterung im Revier sein, vor allem in den Einständen des Wildes, an seinen Fraß- und Ruheplätzen, um die ,,Sprache der Sauen“ zu vernehmen. Es ist sehr schwer, die oft feinsten Nuancen der Laute auseinanderzuhalten. Viele Laute gleichen sich fast und unterscheiden sich häufig nur gering in Tonlänge, Tonfolge und Klangfarbe. Als auffälligste Tatsache lässt sich feststellen: Die jüngeren Altersklassen, also Frischlinge und z T. auch Ãœberläufer sind „schwatzhafter“ als ältere Sauen. Es gibt also damit „laute Sauen“ das junge Volk
und relative ruhigere Sauen, die älteren Stücken. Oft ergibt sich die Frage nach den stummen Bassen. Auch das hat seine Ursache. Die meist als Einzelgänger ziehenden groben Keiler haben keine Veranlassung Laute von sich zu geben. Dabei gibt e einige Ausnahmen beim Werben um die rauschige Bache, bei Kämpfen mit gleichstarken Keilern um der Minne Lohn, bei Verletzungen am Kurzwildbret und bei der Abwehr stellender Hunde bei der Nachsuche des kranken Keilers. Die Bandbreite der Lautäußerungen ist sehr vielgestaltig. Es gibt klar abgrenzbare Laute, aber auch fließende Übergänge. Die reichen vom Grunzen, Brummen, Blasen, Quieken, über Warn-, Kontakt-, Klage-, Schmerz-, Wohlfühl- und Brunftlaute bis zu Lauten, die vorzugs- weise auf Partner und Nahrung gerichtet sind.

Kontaktlaute

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Kontaktlaute beginnen bereits als Kommunikation zwischen Bache und Frischlingen während des Frischens und verstärkt danach im Wurfkessel. Sie dienen der frühzeitigen Prägung der Frischlinge auf die Bache. Sie lässt dabei ein gemütliches Brummen mit kurzem, einsilbigem Grunzlaut hören.
Diese Lautäußerung zwischen Bache und Frischlingen bleibt in Tonhöhe und Ton folge gleich, so dass sich beide stets auch im großen Familienverband untereinander erkennen Zu den Kontaktlauten gehören auch die Bettellaute der Frischlinge, auch Hungerlaute, die sie mit kurzem nuiick-uiick ausstoßen. Sie sind häufig in Nähe der Kinderstuben zu hören. Die Bache legt sich sofort zum Säugen auf die Seite und stößt dabei ihre individuellen Kontakt- laute aus Beim Ziehen und suchen nach Fraß unterhalten sich die Frischlinge meist untereinander in kurzen Brummlauten übrigens m wie etwa mr-mr-mr dem Sauenlocker“ von H. Weißkirchen gut zu imitieren. Der Jäger vernimmt diese Laute bei der Pirsch am Rand des Maisschlages. Die Laute der Bache sind etwas „dunkler“, aber auch kurz und die der Frischlinge heller. In der gemischten Rotte sind beim Ziehen und Brechen nach Fraß auch die Kontaktlaute als kurze, unterschiedlich hohe Brummtöne, als gemütliches Grunzen bei Ãœberläufern und älteren Sauen zu vernehmen. Sind die Frischlinge von der Bache abgekommen, erfolgen die Kontaktlaute ängstlicher, also heller und lang gezogener. Haben sie die Bache wieder gefunden, kommt ein „freudiges, helles Auch beim Spielen untereinander sind die Kontaktlaute etwas moduliert und klingen wie ,,öff-öff öff Kontaktlaute sind also unterschiedlich zwischen den Rottenmitgliedern und dienen der individuellen Erkennung. Bei der Fraßaufnahme an Kirrungen kommt es häufig zu Kontakten fremder Familienmitglieder. Dann erfolgt zwischen älterem Stück und fremden Frischling ein kurzer Hieb mit dem Wurf. Der so Gestrafte lässt ein kurzes Aufquieken hören. Hier handelt es sich um einen Ãœbergang vom Kontakt- zum kurzen Schmerzlaut. Begrüßungslaute werden ausgestoßen, sobald sich das Mitglied einer fremden Rotte nähert oder zum heimischen Familienverband gesellt. Diese Art der Kontaktlaute können je nach Stimmung „freundlich sein oder auch Abwehr“ zum Ausdruck bringen. Kontaktlaute sind auch beim Einrücken in den Kessel bzw. im Kessel selbst vernehmbar. Diese können auch recht unwillig sein, wenn sich eine Sau noch zwischen die bereits lagernden Stücke drängt. Dabei ist ein unwilliges, etwas böses Brummen zu hören.

Warnlaute

Sie werden beim Pirschen durch den Jäger wohl am häufigsten vernommen. Man kann sie auch als ,,Laute der Feindvermeidung“ bezeichnen. Bei erkannter Gefahr erfolgt ein ,,Blasen, etwa wie ,,fffft“, dabei wird die Luft scharf ausgestoßen. Danach ein Warnlaut, ein tiefes langgezogenes, murrendes Brummen ein kurzes  â€žwruff.wruff“ als Schrecklaut dann Stille. Die gesamte Rotte verharrt ohne einen Laut. Frischlinge drücken sich, ältere Sauen verhoffen wie erstarrt. Der Jäger steht absolut still. Ist der Wind gut, können sich die Sauen nach einigen Minuten beruhigen, und es werden wieder ruhige Kontaktlaute zu hören Ist aber die Störung als Gefahr erkannt, so erfolgt nach dem Schrecklau wruff ein kurzes, scharfes Blasen und unter Getöse flüchtet die Rotte. Zu den Warnlauten zählen auch Droh laute der Bache, wenn sie ihre Frischlinge gefährdet fühlt. Fast jeder Jäger vernahm sie schon bei der Pirsch, wenn er der führenden Bache zu nahe auf die Schwarte rückte. Der Laut ist ein drohendes, lang gezogenes, tiefes Brummen.

Schmerzlaute

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Sind relativ selten zu vernehmen. Aus meiner Praxis kenne ich bei Frischlingen und Überläufern kurze Schmerzlaute nach Erhalt der Kugel. Die vernahm ich z. B. bei tiefem Blatt- oder Herzschuss als kurzes ,,oii“. Ein solches Lautzeichen ist aber nicht typisch für diesen Sitz der Kugel. Meist wird sie lautlos quittiert man sollte dabei unbedingt auf den Kugelschlag achten Sehr lautes Klagen erfolgt bei einem Schuss durch die Nierenpartie. Dabei lassen die Sauen ein lang gezogenes, klagendes Schreien vernehmen, das aber schnell verebbt. Nach solch einem Malheur ist für einige Zeit Ruhe im „Beritt“, die Sauen meiden diesen Ort einige Tage. Schmerzlaute sind stets grell und durch dringend. Kurze Klagelaute gibt es auch bei Rangordnungskämpfen untereinander. Diese Laute sind aber recht selten. Dann muss es schon sehr schmerzhaft zugegangen. Wie bereits erwähnt, sind auch kurze Klagelaute beim Beißen um Fraß zwischen Überläufern, Frischlingen und älteren Stücken zu hören. Keiler klagen höchst selten. Andere Jäger mögen vielleicht andere Erfahrungen mit klagenden Keilern gemacht haben. Brunftlaute Sind in der Rauschzeit auch nicht immer wahrnehmbar. Man muss dabei schon recht nahe am Geschehen sein. In der Rauschzeit kann der Jäger bei der Pirsch die Werbelaute des rauschigen Keilers hören. Die
stößt er vor dem Beschlag aus, wenn er Schaum „schlagend“ und brummend die Bache umkreist. Die arg bedrängte Bache kann dabei auch ein lockendes ,,Stöhnen“ oder röchelndes ,,öchö-öchö“ von sich geben. Es sind also oft rollende, röchelnde Töne mit kurzem Grunzen. Kampflaute Sind zwischen rivalisierenden etwa gleichstarken Keilern zu hören, die sich um die rauschigen Bachen schlagen. Ein einzelner Rauschekeiler“ muss kein ,,Kampfgeschrei“ ausstoßen. Kampflaute sind schon eher bei Drückjagden auf das wehrhafte Schwarzwild zu vernehmen. Sobald die Finder die Sauen im Kessel aufgefunden haben, die Rotte gesprengt wurde, ein Einzelstück, meist Keiler, der sich eingeschoben hat, durch die Meute gestellt wurde, geht es hart zu Werke. Es ist ein fürchterliches Tohuwabohu eine Mischung zwischen Kläffen, Kreischen. und tiefem Standlaut der Meute und den Kampflauten des gestellten Stückes. Lautmäßig lässt sich so eine Situation nicht beschreiben, man muss sie selbst erlebt haben. Ältere Keiler sind auch bei erbitterten Kämpfen, trotz großer Blessuren, oft stumm. Das könnte mit dem erhöhten Adrenalinspiegel zusammenhängen, der in dieser Erregungsphase den Schmerz unterdrückt.

Wetzen und Kiefernklappen

Geräusche, die einem schon einmal die Haare aufstellen lassen. Die mit dem Gebrech verursachten Laute sind bei Rangordnungskämpfen der Keiler unter einander, also zur Rauschzeit, aber auch in höchster Erregung, vor dem stellenden Hund oder kurz vor dem Annehmen des erkannten Feindes zu hören. Dabei wer- den Gewehre und Haderer aufeinander geschlagen. Dieses Klappen ist auch von Überläufern, kurz vor dem Angriff zu vernehmen. Ich selbst habe das bei einer Nachsuche im Schilf vor dem stellenden Teckel durch einen groben Keiler vernommen.

Behagliches Grunzen

Ein tiefer wohliger Grunzton, der bei der Körperpflege, beim Malen am Malbaum oder auch an der Suhle vernommem werden kann.


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