Jagdliche Einrichtungen Aufstellen aber wo?

So viele wie nötig, so wenig wie möglich.

Nicht auf die Anzahl der Jagdeinrichtungen kommt es an, sondern auf die richtige Auswahl des Standortes. So viele wie nötig, so wenig wie möglich, sollte die Devise für den Revierinhaber lauten. Wo befinden sich nun die geeigneten Stellen im Revier dazu nützliche Tipps an denen jagdliche Einrichtungen stehen sollten?

Bevor der Revierinhaber sich auf die Suche nach geeigneten Standorten für Kanzeln, Hochsitze, Leitern und Schirme macht, ist es sinnvoll, wenn er sich erst einmal über die Revierkarte beugt, in der die Ansitzeinrichtungen eingezeichnet sind. Aus dieser Übersicht ergibt sich, welche Revierteile möglicherweise unterversorgt sind. Erst danach lohnt es sich, ins Revier hinaus zu fahren, um den ausgesuchten Platz vor Ort in Augenschein zu nehmen und auf Tauglichkeit zu überprüfen. Dabei ist darauf zu achten, dass das Revier nicht mit Ansitzeinrichtungen ,,zugepflastert“ wird. Dann könnte es bei den Waldbesuchern heißen: ,,Die Jäger wollen nur alles totschießen“. Die Höhe der Bauweise sollte sich nach den im Revier vorkommenden Wildarten richten. Da das Rotwild sehr gut äugt, sollten die Kanzeln und Hochsitze im Rotwildrevier durchaus etwas höher gebaut werden. Hierdurch wird der Blickwinkel spitzer, so dass nicht gleich die geringste Bewegung des ansitzenden Jägers bemerkt werden kann. Hochsitze über 5 Meter Fußbodenhöhe verhindern aber nicht, dass das Wild keinen Wind vom ansitzenden Jäger mitbekommt. Die Mär vom über dem Wind „sitzen“ gilt nicht. Im Niederwildrevier dürfen die Ansitzeinrichtungen durchaus niedriger ausfallen, sie lassen sich dann auch kostengünstiger bauen und leichter reparieren. Für alle Reviere gilt aber gleichermaßen Es hat keinen Sinn, Jagdeinrichtungen in die entlegensten Ecken zu bauen, wenn man sie nicht erreichen kann, ohne zu stören. Neben den alt bekannten und geeigneten Hochsitzplätzen, wie z. B. an Wiesen, Wildäckern und Waldfeldrändern so- wie Kahlschlägen, einhergehend mit einer Neuanpflanzung, gibt es im Revier oft noch eine Vielzahl hochinteressanter Stellen.

Kahlflächen Kleinere Kahlflächen bieten zumindest mit ihrer Schlagflora für eine begrenzte Zeit ein gutes Äsungsangebot für unser Schalenwild. Nach der Wiederaufforstung setzt in der Regel schon sehr bald eine qualitative Verarmung ein. Mit zunehmender Verarmung der Schlagflora erhöht sich der Äsungsdruck auf die gepflanzten Bäume, insbesondere wenn es sich um Laubholz handelt. Solange man das Wild in der Neuanpflanzung sehen kann, ist dies ein idealer Standort für eine Jagdeinrichtung. Im Rehwildrevier kann es sich dabei um eine Leiter handeln, im Rotwildrevier um einen umsetzbaren Hochsitz. Später bietet die neu gepflanzte Kultur einen guten Einstand. Ist die Beäsung der Kultur zu groß, ist eine Bejagung der Fläche umso dringender.

Naturverjüngungsflächen. Da in der heutigen Zeit der Naturverjüngung ein ständig höherer Stellenwert eingeräumt wird, finden sich in unseren Altholzbeständen immer mehr lichte Partien, auf denen sich neben der Verjüngung auch eine für das Wild interessante Begleitflora ansiedelt. Bedingt durch die sonnigen Partien, die Deckung und die Äsungsvielfalt bieten, bilden Naturverjüngungsflächen einen großen Anziehungspunkt für das Wild Der Großschirmschlag bietet längere Verjüngungszeiträume mit räumlichen und zeitlichen Überlappungseffekten von Jungwuchs und Altholz und damit auch für eine längere Zeit Äsung und Deckung. In diesen Verjüngungsflächen lohnt sich auch der Bau eines festen Hochsitzes, der allerdings in dem noch aufzulichtenden Teil (an der Grenze zwischen dem helleren und dunkleren Teil) stehen sollte, um möglichst lange nutzbar zu sein. Die auf wachsende Verjüngung erschwert im Laufe der Zeit die Bejagung und muss zu einem späteren Zeitpunkt mit Schneisen erschlossen werden. Dazu zählen auch die Rückeschneisen, die im Stangenholzalter der Holzbringung dienen. Besonders günstig für das Schalenwild ist die femelartige Verjüngung, bei der die Wege zwischen Nahrung und Deckung nur sehr kurz sind. Sie bieten einen Wechsel zwischen unterschiedlich alten Flächen. Auf Grund der relativen Kleinräumigkeit lohnt sich hier nur der Einsatz einer transportablen Ansitzleiter.

Dickungen Dickungen bieten nicht viel Nahrungspotenzial, es sei denn die Wirtschaftspflanzen selbst. Trotzdem werden sie gerne vom Wild aufgesucht, da sie hier ausreichend Deckung finden. Grenzt die Dickung an ein lichtes Altholz, ist hier ein treffliches Jagen. Damit das in der Dickung schutzsuchende Wild nicht ver- grämt wird, sollte der Hochsitz oder die Leiter in genügend großer Entfernung in der Nähe eines Wechsels aufgestellt wer- den. Die Jagdeinrichtung kann dann auch bei der nächsten großen Ansitzjagd mit abgestellt werden, der Erfolg ist vorprogrammiert.

Jungdurchforstungsbestände Egal ob Fichten- oder Buchenjungbestände, beide sind vor der ersten Durchforstung ohne Bodenvegetation es sei denn, irgendwo sind ein paar gepflanzte Bäume ausgefallen. Erst nach der ersten Durchforstung und dem Aufhauen der Gliederungsschneisen kommt Licht an den Boden. Innerhalb kurzer Zeit finden sich Gräser, Kräuter und Beersträucher ein, die gerne vom Wild beäst werden. In der Nähe dieser Flächen lohnt sich der Ansitz und somit auch die Platzierung einer Ansitzeinrichtung. Im Laufe der Zeit fliegen die Samen anderer Bäume in den Bestand, wie z. B. Birken- oder Fichtensamen. Es entstehen Naturverjüngungsinseln, die das Wild gern annimmt. So finden sich in meinem Revier in Kiefern stangenhölzern Birkenverjüngungspartien, die besonders im Sommer (Hitze) vom Rotwild aufgesucht werden, das dort im Schatten der Birke den Tag verbringt.

Altdurchforstungsbestände In diesen Beständen finden sich oft Windwurf-, Schneebruch- oder Käferlöcher, die bedingt durch die vermehrte Lichteinstrahlung sehr schnell einen artenreicheren Bodenbewuchs aufweisen und sich zum Anziehungspunkt für unser Schalenwild entwickeln. Handelt es sich um Löcher unter 0,5 ha, bleiben sie sich in der Regel selbst überlassen, das heißt, sie werden nicht zugepflanzt. Liegen sie noch mitten im Bestand und führt nicht direkt ein Spazierweg vorbei, lohnt sich das Aufstellen einer transportablen Ansitzeinrichtung auf jeden Fall. Sie sollte ihren Platz im Randbereich des Loches im noch stehen- gebliebenen Waldteil finden. Hier sitzt der Jäger im Schatten, wird vom Licht nicht gleich „ausgeleuchtet und somit vom Wild nicht so schnell eräugt. Doch Vorsicht, der Pirschweg darf nicht durch den Haupteinstand des Wildes führen. Aber es lohnt sich nicht nur an den Löchern. im Bestand anzusitzen, auch stammzahlarme Althölzer mit einer arten- reichen Bodenvegetation sind hervorragende Standorte für eine jagliche Ansitzeinrichtung. In derartigen Waldbeständen verbummelt das Wild, insbesondere das Rotwild seinen Tag. Der Jäger kann das Wild schon aus großer Entfernung ausmachen und ansprechen

Wege und Schneisen Wurden sie über einen längeren Zeitraum nicht mehr be- nutzt und liegen sie möglichst noch in einem ruhigen Revierteil, sind sie ein attraktiver Anziehungspunkt. Je breiter Wege und Gestelle sind, desto mehr Licht kommt an den Boden, je vielfaltiger ist das Nahrungsangebot. Wächst in einem armen Kiefernrevier, in dem die Bodenvegetation nur aus verschiedenen Moosarten und Drahtschmiele besteht, etwas Blaubeerenkraut, ist dies der ,,Magnet im Revier“. Damit die Nahrung an den Wegen attraktiv für das Wild bleibt, müssen sie einmal im Jahr gemäht werden. Dies sollte zur Zeit der Samenreife der Gräser geschehen, damit sich die Insekten, die im Wege- seitenraum leben, entwickeln können. Das kann man auch erreichen, indem der Weg im jährlichen Wechsel halbseitig gemäht wird.

Masttragende Bestände Hierzu zählen vor allem Eichen- und Buchenbestände sowie auch das Wildobst. Alle Baumarten werden nach dem Herabfallen der Mast bevorzugt vom Wild aufgesucht. Da die Mastjahre immer zahlreicher werden, lohnt sich der Bau einer festen Ansitzeinrichtung in diesen Althölzern, zumal sie in der Regel noch eine artenreiche Bodenflora aufweisen.

Wildäsungsflächen Wildäsungsflächen zählen zu den sensibelsten Bereichen im Revier. Deshalb muss hier der Standort des Hochsitzes mit besonderer Sorgfalt erfolgen. Ist die Wildäsungsfläche groß genug, empfiehlt es sich, sie mit zwei Ansitzeinrichtungen zu versehen, um bei unter schiedlichen Windrichtungen jagen zu können. Dazu bieten sich der West- und der Ostrand der Fläche an. Das A und O des Erfolges ist hierbei ein gut gepflegter Pirschweg, der eine geräuschlose Annäherung ermöglicht. Liegen die Hochsitze noch hinter dem alten Stubbenwall, der vom Abschieben der Wildäsungsfläche stammt, ist das Glück fast perfekt. Der Wall dämmt jedes Geräusch, selbst ein Ast unter dem Schuh dringt nicht bis zur Fläche vor. Natürlich sollte der etwas von der Fläche entfernt liegende Hochsitz eingebuscht werden. Doch Vorsicht, eine zu dicht eingegrünte Ansitzeinrichtung verleitet das Wild dazu, den Tag in dieser sicheren Deckung zu verbringen. Der Pirschweg zu dieser Fläche darf nicht mit großartigen Windungen versehen sein, sondern gradlinig auf den Hochsitz zu gehen, damit der sich nähernde Jäger nicht sofort eräugt wird. So wird der Bereich hinter der Ansitzeinrichtung auch nicht flächig durch den angehenden Weidmann verstänkert. Im Niederwildrevier sind Hochsitze an den Wildäsungsflächen nicht unbedingt nötig, obwohl man darauf bequemer sitzt. Hier reichen auch gut verblendete Leitern.

Brunftplätze Im Damwildrevier genügen oft Schirme, die in sicherer Entfernung vom Brunftplatz rechtzeitig aufgestellt wurden. Eine mehrere Meter lange Verblendung links und rechts des Schirmes erlaubt auch eine Annäherung bei Tage. Hochsitze sind nur von Nöten, wenn eine Anhöhe im Gelände überblickt werden soll. Damit der Jäger den Hochsitz unbemerkt erklimmen kann, ist eine Tarnnetzverblendung oder ähnliches an der Frontseite des Sitzes notwendig. Die Anlage der Pirschwege stimmt mit denen, die zu den Äsungsflächen führen, überein Etwas anders verhält es sich mit den Ansitzeinrichtungen an Rotwildbrunftplätzen. Hier ist ein Hochsitz in der Regel not- wendig, da das Rotwild sehr gut äugt. Oft befinden sich die Brunftplätze auf freien Flächen, z. B. Wildwiesen, Ödlandflächen, Moorflächen oder größere Blößen im Wald. Hier gilt es, den Hochsitz in den Randbereich (Waldrand) einzubauen, eingedenk der Hauptwindrichtung und der Hauptwechsel. Eine Verblendung ist nötig. Soweit möglich, ist der Bau von zwei Hochsitzen empfehlenswert, da es das Jagen erheblich erleichtert. Der Pirschweg sollte am Brunftplatz im 90 Winkel auf die Ansitzeinrichtung führen, damit man nicht quer zur Flächeläuft und so leichter eräugt wird.


Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien – und folgen uns auch auf Twitter und Facebook