Immer den Fährten nach

Nach einer Neuen: Sauen im Kessel angehen einer Neuen Saudrücken in Frage kommen oder das Angehen der Sauen im Kessel die geeignete Jagdmethode ist, entscheiden zum einen die Beschaffenheit der Einstände ob bürsten- dicht oder aufgelockert zum anderen die vermutliche Anzahl der eingewechselten Sauen. Handelt es sich um kleine Rotten und begehbare, lückenhaften Dickungen bzw. Stangenhölzer, wird man dem Angehen der Sauen im Lager bzw. Kessel den Vorzug geben.

Das Angehen der Sauen im Kessel setzt eine Neue voraus. Ausschlaggebend ist der Zeitpunkt des Schneiens. Ideal ist Schneefall in der zweiten Nachthälfte, bevor die Sauen zurückwechseln, sich in ihren Tageseinstand einschieben. Schneefall bis in die Morgenstunden bzw. weit in den Tag hinein zeigt ein verwischtes, zugeschneites Fährtenbild, das nicht nach Anzahl und Stärke der Sauen an sprechbar ist. Bei solchen ,,Schneeverhältnissen“ sollte man lieber noch einen Tag mit dem Abfährten warten, vorausgesetzt, dass es keinen weiteren Schneefall gibt.

Wo stecken sich die Sauen nach einer Neuen?

  • In Kiefern- oder Fichtendickungen, die sich geschlossen haben und trockene Nadelstreu zum Einkesseln bieten,
  • in angehenden lückigen, aber vergrasten Dickungen mit viel Farnkraut im Unterwuchs,
  • in noch nicht natürlich gereinigten Stangenhölzern,
  • in Althölzern mit stellenweisem Unterwuchs, unter einzeln stehenden, tief beasteten Fichten oder Douglasien (oft von einzelnen Keilern, seltener von ganzen Rotten angenommen)
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Alles in allem muss der Tageseinstand warm und trocken sein und keine ,,zugigen Ecken“ haben. In stark kupiertem Gelände und weiträumigen Laubalthölzern schieben sich Sauen auch sehr gern auf einer Erhebung ein, die mit dichtem Farnkraut oder Brombeerhecken bestanden ist. Hier haben sie Rundumsicht, liegen mit dem Gebrech meist gegen den Wind und sind nicht so leicht anzugehen. Haben wir den Idealfall, dass in den Morgenstunden noch vor dem Einschieben der Sauen der Schneefall aufhörte, wird in den Vormittagsstunden abgefährtet, der vermutete Tageseinstand weiträumig umschlagen. Stößt man auf Fährten, lassen sich erste Schlüsse auf den Einstand ziehen. Ist der Einwechsel unter Wind gefunden, wird auf der dem Wind abgewandten Seite der Einstand etwas weiter (das nächste Jagengestell nutzen) umschlagen, um zu sehen, ob die Sauen auch fest stecken.

Ein ruhig arbeitender Hund kann den Jager beim Ausgehen führen und rechtzeitig auf die Sauen aufmerksam machen

Wie müssen sich die angestellten Jäger verhalten?

Da der Jäger nicht weiß, wo sich die Sauen genau eingekesselt haben – Dickungsrand oder Mitte – ist die Beachtung des Windes und lautloses Umkreisen unbedingt erforderlich. Wird zu nahe am vermuteten Kessel die Dickung umschlagen, bekommen die Sauen Küselwind oder vernehmen die Schritte des Jägers und werden sofort flüchtig, wenn sie sich gerade erst eingeschoben haben und im Kessel noch nicht „warm“ geworden sind. Beim Kreisen spart ein genau eingewiesener Helfer, der auch Jäger sein muss, Zeit und Weg. Damit sich die Erfolgschancen vergrößern, kann der bestätigte Einstand zusätzlich noch mit Schützen abgestellt werden zuerst auf der dem Wind zugewandten Seite, danach weiträumig auf der abgewandten Seite an bekannten Auswechseln und zuletzt am Einwechsel. Die angestellten Jäger dürfen sich nicht auffällig bewegen, den Stand verlassen, um einige Meter nach rechts oder links einen vermeintlich besseren Standplatz zu suchen, oder gar ihre Brotzeit aus dem Rucksack nehmen. Anwechselnde Sauen eräugen gerade bei Schnee die sich dunkel abhebenden und bewegenden Jäger sehr genau, verhoffen kurz und nehmen eine andere Fluchtrichtung. Das gilt nicht nur für den Fall, wenn der in der Dickung agierende Jäger zu Schuss kam, sondern auch dann, wenn die Sauen vom Jäger Wind bekamen und sich zu verdrücken suchen, ohne dass ein Schuss fiel. Die außen vorstehenden Jäger dürfen nicht einen Augenblick unaufmerksam sein.

Das Angehen auf dem Einwechsel ist mehr ein „Stehen als ein Gehen“. Vorsichtig folgt man der Fährte, ohne Äste zu knicken, die Richtung des Wechsels genau beobachtend. Trennt sich die Rotte, ziehen die Stücke einzeln oder zu zweien hintereinander, ist allergrößte Vorsicht geboten. Der Kessel befindet sich in unmittelbarer Nähe. Jetzt heißt es niederknien, das Gewehr in die Hand nehmen und die Reihen mit den Augen absuchen. Ist der Kessel noch nicht zu entdecken, geht es gebückt Schritt für Schritt weiter, bis aufgeworfenes Erdreich und dann die eingekesselten Sauen zu sehen und zu riechen sind. Durch das Abknicken eines Ästchens bringt man die Sauen zum Hochwerden und wartet ab, bis der Pulk sich auflöst und macht Dampf auf ein breit stehendes einzelnes Stück. Aber genau hinschauen muss der Jäger schon, nicht die Führungsbache erlegen und keinen ,,Paketschuss“ auf hintereinander stehende Sauen fabrizieren.

Was muss der Jäger beim Ausgehen der Fährte beachten?

Sind die Sauen nicht zum Hochwerden zu bewegen, keinesfalls auf ein liegendes Stück den Finger krumm machen, das ist nicht weidgerecht. Sollte durch Unachtsamkeit, Geräusche der Tarnkleidung, knickende Ästchen die und das Einzelstück plötzlich hoch flüchtig werden, noch nicht alles verloren. Nun ist Warten und Geduld angebracht. Haben die Sauen vom Jäger keinen Wind bekommen, so wechseln d Stücke mit großer Wahrscheinlichkeit nach geraumer Zeit vorsichtig zurück. Von den wieder auftauchendenden Sauen ist nicht viel zu vernehmen ein kaum hörbares Brechen, ein leises Blasen, mehr nicht. Beim Erwarten der Sauen darf der Jäger nicht nur in Fluchtrichtung sehen auch rechts und links vom Kessel im Auge haben. Sauen umschlagen gerne die vermeintlichen Störung, um sich Wind zu holen. Steht solch ein „Aufklärer“ günstig darf man mit dem Schuss nicht lange Warten. Nachdem der die Schwarzkittel angehende Jäger geschossen hat, können die vorstehenden Jäger augenblicklich mit Sauen rechnen. Dabei haben die am Einwechsel und die unter Wind angestellten Jäger die besten Chancen.

Welche Vorteile hat das Ausgehen mit Saufindern?

Die gleiche Jagdart ist auch mit einem gut auf Sauen arbeitenden Hund, Teckel oder Terrier durchführbar. Kleine Hunde, besonders Teckel, werden von Sauen nicht für „voll genommen“ und stellen sich. Der Vorteil für den anpirschenden Jäger besteht darin, dass er den Kessel der Sauen durch den Hundelaut gut orten kann man auf Schussentfernung heran, heißt es, vor Schussabgabe den Standort des Hundes genau auszumachen. Ist der Hund zu nahe am Stück oder verdeckt er die Sau, muss der Finger gerade bleiben und der Jäger so lange warten, bis Sau und Hund frei stehen und der Hund durch den Schuss nicht gefährdet wird. Was noch zu erwähnen wäre: Die Okulare des Zielfernrohrs sind oft mit herabfallen den Schnee bedeckt und besonders dann genau wenn es darauf ankommt, nicht zu brauchen. Man sollte deshalb in der Lage sein, über die offene Visierung der Büchse und über die Laufschiene der Flinte einen gezielten Schuss abzugeben! Wesentlich einfacher ist das Angehen einer einzelnen Sau in einem Altbestand mit tiefbeasteten Fichten, wo sich der Eingänger gerne seinen Kessel anlegt. Der Schnee sollte frisch pulverig sein und nicht knurpsen oder vor Kälte „singen“. Bei Nassschnee heißt es mit den Stiefeln schlurfen, um die Geräusche beim Aufsetzen der Füße zu dämpfen. Dass der Wind gut sein muss, versteht sich von selbst. Halber Wind reicht nicht. Auch Tarnkleidung ist wichtig, nicht rein weiß, sondern mit dunklen Flecken und Streifen versehene, sodass die Konturen des Jägers sich in der Umgebung auflösen. Auch beim  Angehen eines Keilers ist mehr ,,stehen als laufen“ oberste Regel. Mit dem kleinen Jagdglas sucht man vorausschauend besonders die tief beasteten Nadelbäume ab Ein dunkler „Aushub“ kann die Sau selbst, ein verlassener Kessel aber auch die noch unsichtbare Sau im Kessel sein. Auf Überraschungen muss der Jäger immer gefasst sein! Ist der Kessel bereits verlassen, so kann mit der Hand die ,,Wärme“ des Erdreichs geprüft werden. Meist ist es zwecklos, der flüchtig gewordenen Sau zu folgen. Ist die Sau jedoch ruhig aus den Kessel fortgezogen, dann lohnt sich ein vorsichtiges Nachpirschen. Aus irgendeinem Grund hat die Sau einen ,,Stellungswechsel“ unternommen und sich an anderer Stelle wieder eingeschlagen. Sauen machen dabei sehr oft einen Widergang. Darauf muss der die Fährte ausgehende Jäger achten und besonders aufmerksam das Umfeld absuchen. Wer einmal Sauen durch Angehen im Kessel nach einer Neuen zur Strecke gebracht hat, den lässt diese Art zu jagen nicht mehr los.

AUF EINEN BLICK

Regeln für das Ausgehen der Sauen

  • Zum Kreisen muss die Neue in der zweiten Nachthälfte gefallen sein
  • Vor der Jagd wird der vermutete Einstand weiträumig umschlagen, um sicher zu gehen, dass Sauen stecken
  • Bestätigten Einstand mit Schützen in Wechselnähe abstellen, erhöht die Erfolgschancen.
  • Angehen der Sauen in Tarnkleidung und mehr „stehend als gehend“ vom Einwechsel an
  • In der Nähe des Kessels angekommen, die Sauen mit einem knackenden Ästchen hochmachen und mit dem Schuss warten, bis der Pulk sich trennt.
  • Ausgehen ist auch mit Saufinder möglich.
  • Flüchten die Sauen, ohne dass der Jäger zu Schuss gekommen ist, heißt es warten, da die Sauen (meist) zum Kessel zurückkommen.

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