Damwild ansprechen – Schwerpunkt Kahlwild

Kahlwild

Nach seinem Anteil im Bestand muss dem Kahlwild und den Kälbern beim Abschuss grundsätzlich die gleiche Sorgfalt gelten, wie den Hirschen. In der Praxis sieht das häufig anders aus. Ein Großteil der Strecke wird auf Bewegungsjagden erzielt, die ein sorgfältiges Ansprechen kaum zulassen. Erfolgt der Hinweis bei der Freigabe, das grundsätzlich das schwächste Stück der Altersklasse zu strecken ist, dann ist das ein brauchbarer Anhalt für die Kälber. Bei den Tieren stimmt dieser Grundsatz nicht mehr, denn die schwächsten Tiere sind überwiegend auch die jüngsten Tiere. Eine Unterscheidung zwischen starken Kalb und Schmaltier oder Schmaltier und schwachem Tier in der Winterdecke ist bei einer Bewegungsjagd ohnehin kaum zu realisieren. So überwiegt die Tatsache, dass das Stück geschossen wird, welches am ehesten mit der Kugel erreichbar ist. Der Altersklassenabschuss degradiert zu einem eher zufälligen Produkt der Bejagung. Hinzu kommt die Gefahr der Erlegung von führenden Stücken. Fehlentwicklungen im Bestand sind vorprogrammiert, wenn sich verwaiste Kälber durch den Winter schlagen müssen.

Kälber Das Erkennen der Kälber dürfte noch am leichtesten fallen. Allein durch die Körperstärke, das rundliche Haupt, das verspielte Verhalten und die Grannenbehaarung unterscheiden sich die Kälber deutlich von den anderen Rudelmitgliedern. Bedingt durch die verhältnismäßig langen Setzzeiten von Ende Mai bis Mitte Juni können die Größenunterschiede zwischen Kälbern in den ersten Monaten beträchtlich sein. Auffällig ist, dass sich diese durch den Setztermin bedingten Größenunterschiede im zunehmenden Jahresverlauf weitgehend angleichen. Anderseits beginnt sich schon bei den Kälbern der für das Damwild insgesamt typische Größenunterschied zwischen den Geschlechtern abzuzeichnen.

Schmaltiere Die Unterscheidung zwischen Schmaltier und Alttier ist zu Beginn der Jagdzeit noch am ehesten möglich. Zu diesem Zeitpunkt liegt das Körpergewicht der Schmaltiere noch unter dem der Alttiere. Dennoch ist große Vorsicht geboten, um den Abschuss von einem führenden Tier zu vermeiden, da die Kälber bis zum August noch verhältnismäßig oft abgelegt werden.

Alttiere Die größten Anforderungen ergeben sich beim Ansprechen der Alttiere. Optimal ist es, wenn bei der Erlegung von schwachen Kälbern das zum Kalb gehörende Tier mit erlegt werden kann. Darüber hinaus sollte das Augenmerk auf überalterte Tiere gelegt werden. Diese sind an der insgesamt „knochigen“ Erscheinung, verhältnismäßig dicken Läufen, dünnen Träger sowie Senkrücken und Hängebauch erkennbar. Beim Ansprechen im Rudel muss beachtet werden, das Alttiere bis zum 6. Lebensjahr an Stärke zunehmen, d.h., dass körperlich schwach Damtiere jung sind. Hinsichtlich einer ausgewogenen Altersstruktur innerhalb des weiblichen Damwildbestandes sollte berücksichtigt werden, dass durch die geringe Erfahrung der jüngeren Tiere deren Streckenanteil häufig am höchsten ist. Zusammen mit einem Hohen Schmaltierabschuss besteht die Gefahr der Überalterung. Um das zu vermeiden, sollte rechtzeitig auf die Erlegung auch von alten Tieren Einfluss genommen werden. Da die stärksten Tiere meistens die alten Tiere im Bestand sind, ist die ansonsten gute Regel „das schwächste Stück der Altersklasse zuerst“ in diesem Fall nicht anwendbar.

Bejagungshinweise

Der optimale Abschusszeitpunkt beim Kahlwild ist in der Verbindung mit den wirtschaftlichen jagd-ethnischen und wildbiologischen Verhältnissen zu wählen. Da sich das Damkahlwild im September zumeist noch in kleineren Familienverbänden bewegt, gelingt es dem versierten und geduldigen Damwildjäger, neben dem Kalb auch das dazugehörige Tier zu erlegen. Der Nachteil eines frühen Abschusszeitpunktes liegt möglicherweise in den fatalen Auswirkungen bei Fehlabschüssen von führenden Tieren und einem geringen Wildbretgewicht der Kälber. Dem Vorteil eines höheren Wildbretgewichtes im späteren Jahresverlauf steht allerdings entgegen, dass ein sicheres Ansprechen zwischen den Altersklassen zunehmend schwieriger wird. Dazu kommt aus hegerischer Sicht, dass dem Bestand so früh wie möglich Jagdruhe eingeräumt werden soll. Dort, da wo es die Rahmenbedingungen erlauben, sollte demnach der Abschuss bei den Alttieren in Verbindung mit dem Kalb möglichst schon im September erfolgen. Bei den Gesellschaftsjagden im November und Dezember werden dann ausschließlich Kälber freigegeben. Falls der Abschussplan noch drückt, hat sich die Regelung bewährt, für jeden Schützen nur einen Schuss auf ein Alttier oder Schmaltier zuzulassen.

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