Damwild ansprechen – Schwerpunkt Damhirsche

Damwild ansprechen

Die Grundaussagen heutiger Bewirtschaftungs- bzw. Hegerichtlinien beim Schalenwild heißt altersklassengerechter Abschuss. Bei Damwild setzt das sichere Ansprechen der Altersklassen bei männlichen wie beim weiblichen Wild voraus. Das bedeutet, die wenigen verlässlichen Altersmerkmale der einzelnen Altersklassen müssen dem Damwildjäger nicht nur bekannt sein, er muss sie beim Anblick von Wild auch anwenden können – dazu gehört scharfes Beobachten und viel Erfahrung.

Damhirsche

Das Ansprechen der Damhirsche hat den Vorteil, dass das Geweih als zusätzliches Merkmal mit herangezogen werden kann. Man hüte sich jedoch davor, dieses Merkmal in den Vordergrund zu stellen. So spannend es ist – die Aufmerksamkeit vor dem Schuss auf den Ernteschaufler sollte in erster Linie den übrigen körperlichen Merkmalen, dem Ausdruck und dem Verhalten gewidmet werden. Einzig in der Jungendklasse bei den Hirschen vom ersten und zweiten Kopf ist das Geweih ein wirklich brauchbares Ansprechmerkmal, auch wenn Hirsche vom ersten Kopf offenbar schon mehr als Spieße tragen können. Für die Ansprache der mittelalten Hirsche sind dann die Erlegungskriterien der örtlichen Hegegemeinschaften maßgebend. Diese sollten sich an überschaubaren und praktikablen Normen orientieren und dem Altersklassenabschuss dienen und nicht behindern.

Schmalspießer Neben den Spießergeweih zeigt der Hirsch vom ersten Kopf einen sehr schlanken Körperbau, der Träger wird steil aufgerichtet getragen. Der überwiegende Teil der Schmalspießer steht bis zur Brunft noch im Kahlwildrudel. Der Abschuss sollte sich auf körperlich schwache Stücke konzentrieren. Schmalspießer mit ungleich langen und auffälligen Spießen gelten als erlegungswürdig. Unbedingt zu schonen sind Stücke mit starken birnenförmigen Spießen unabhängig ihrer Länge. Der Damhirsch vom zweiten Kopf (Knieper) zeigt in der Regel sein erstes Hirschgeweih. Der Knieper ist schon bedeutend stärker als der Schmalspießer, der Träger wird aber immer noch steil aufrecht getragen. Der Drosselkopf tritt schonansatzweise hervor. Als erlegungswürdig gelten Knieper, die keinen Ansatz zur Schaufelbildung zeigen.

Mittelalte Schaufler Bei den mittelalten Schauflern wird die Ansprache immer schwieriger. Das Hauptaugenmerk sollte sich nur auf die körperlichen Merkmale und das Verhalten richten. Mit zunehmendem Alter verlagert sich der Mittelpunkt der Köpermasse nach vorn. Der Träger wird stärker und der Drosselkopf tritt deutlicher hervor. Das Haupt wird breiter und der Gesichtsausdruck verändert sich von jugendlich neugierig zu grimmig. Schaufler vom 5. Kopf an können schon das Geschehen am Brunftplatz beherrschen. In der Altersklasse der mittelalten Damschaufler sollten die Hirsche gestreckt werden, die eine unerwünschte Schaufelbildung aufweisen. Dazu gehören Hirsche mit stark und gleichmäßigen Schaufeln, tiefgeschlitzte, zerrissene Schaufeln, mit hoch angesetzten Dreieck- oder Karoschaufeln, oder mit Strangen, bei denen Aug- oder Mittelsprosse nicht gewachsen sind.

Alte Schaufler Die schwierigste Entscheidung stellt sich mit der Frage, ob es sich tatsächlich um einen reifen Damschaufler handelt, der mindestens sein 8. Lebensjahr erreicht hat. Wer glaubt, dieses mit absoluter Sicherheit zu beurteilen zu können, sollte Misstrauen ernten. Erst die Kombination verschiedenster Merkmale lässt Beurteilung zu, mit welcher Wahrscheinlichkeit es sich um einen alten Hirsch handelt. Am ehesten gelingt dieses noch bei Hirschen, die Merkmale des Zurücksetzens aufweisen. Dazu gehören deutlicher Senkrücken mit Widerrist und Hängebauch, ein breit wirkendes Haupt, ein sehr tief liegender Drosselkopf, die Vorderläufe scheinen den Mittelpunkt des Körpers zu bilden, zurückgesetzte Aug- und Mittelsprossen und die typischen keilförmig zulaufenden Schaufeln. In jedem Fall ist Zurückhaltung angesagt bei sonstigen angeblichen Altersmerkmalendes Geweihes. Weder kurze und starke Augsprossen noch eine ausgeprägte Leisten- und Kantenbildung an der Schaufel sind ein sicheres Indiz für einen alten Hirsch.

Bejagungshinweise

Das Damwild

In der jagdlichen Praxis wird es für die überwiegende Zahl der Jäger völlig ausreichen, das Damwild in junge, mittelalte und alte Stücke zu unterscheiden. Die theoretischen Kenntnisse dazu können erlernt werden. Empfehlenswert ist das Buch Das Damwild: Biologie, Hege und Jagd oder die DVD Schalenwild 1 – Rotwild/Damwild/Sikawild

Das Ansprechen des reifen Schauflers ist weder eine Kunst, noch eine Wissenschaft. Sie bleibt aber dem erfahrenen Damwildjäger vorbehalten, der oft aus dem Bauch heraus entscheidet: „der passt“. Als Ansprechknigge in Kurzform sei gesagt und erlaubt. Der angehende Jäger sucht beim Schaufler Kante, Dorn und Spross. Der erfahre Jäger blickt dem Schaufler in „Gesicht“ und auf den Träger.


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