3 Regeln für die Bejagung von Überläuferkeilern

Im Frühjahr ziehen die Ãœberläuferkeiler vagabundierend umher – selten allein, meist im Rottenverband. Vor allem sind sie weit weniger vorsichtig als gemischte Rotten, wechseln bereits am frühen Abend und sind morgens noch lange auf den Läufen und dadurch leichter zu bejagen. Damit solche Ãœberläufertrupps nicht vollständig aufgerieben‘ werden, starke Keiler heranwachsen können, muss der Jäger drei Regeln beherzigen.

Es gehört zum Lebensrhythmus eines Schwarzwildfamilienverbandes   bzw. einer Schwarzwildrotte, dass   die einjährigen männlichen Stücke, die Ãœberläuferkeiler, wenn sie die Geschlechtsreife erreichen, nach und nach aus dem Familienverband ausgestoßen werden. Dann ziehen von Ende April bis in den Mai und Juni Ãœberläuferkeilerrotten und einzelne „Keilerchen“ ohne Führung durch eine erfahrene Bache ziemlich arglos, eben unerfahren, durch die Reviere.

Mit der Bejagung werden diese Rotten verkleinert und gesprengt. Einzelne Überläuferkeiler sondern sich nach und nach ab, um bis zur Rauschzeit ein Einzelgängerdasein zu führen. Der Jäger hat in dieser Zeit im Wald-Feldrevier ziemlich häufig, sowohl in den frühen Abendstunden als auch bis in den späten Morgen, nicht nur Anblick von diesen Überläuferkeilern, sondern meist kommt er auch zu Schuss.

Man könnte auch sagen: „Die Arglosen sterben zuerst!“ In der Rotte konnten sich die Ãœberläufer auf die erfahrenen Leitbachen verlassen. Nachdem sie dort ausgestoßen wurden, müssen sie selbst Erfahrungen sammeln. Die rigorose Jagd auf die „alleingelassenen“ Ãœberläuferkeiler führt dazu, dass es zu keiner für die Arterhaltung so wichtigen Auslese während der Rauschzeit unter den Keilern mehr kommen kann, weil sie schlichtweg fehlen. In Jagdgebieten, wo jeder vorkommende Ãœberläuferkeiler „totgeschossen“ wird, kommen sogar die zeugungsfähigen Frischlingskeiler zum Beschlag.

Bejagungsregeln

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Überläufer ist nicht gleich Überläufer. International ist es üblich, dass am 1. April, also am Beginn des neuen Jagdjahres, aus dem Frischling ein Überläufer wird. Damit sind die im Jahr zuvor bereits im Februar geborenen Frischlinge als Überläufer schon 13 bis 14 Monate alt und damit die stärksten in der Altersklasse. Während die Frischlinge, die erst im zurückliegenden Sommer geboren wurden, schon mit sieben bis acht Monaten Überläufer werden und wesentlich schwächer sind.

Deshalb kommt es in der Altersklasse der Überläufer zu erheblichen Gewichtsunterschieden. Spannen von 25 bis 70 Kilogramm sind die Regel, dadurch fallen Größenunterschiede deutlich ins Auge. Will man die Überläufer in dieser Zeit waidgerecht bejagen, damit der Schwarzwildbestand sowohl altersklassenmäßig als auch im Geschlechterverhältnis in der Ordnung bleibt, gilt es bei der Bejagung drei Regeln zu beachten

Regel 1

Einzeln ziehende Sauen grundsätzlich nicht beschießen! Einzeln ziehende Stücke könnten sein:

  • Keiler aller Altersstufen
  • Ãœberläuferkeiler
  • Bachen, die sich zum Frischen abgesondert haben
  • Bachen, die bereits Frischlinge im Kessel haben und nach Fraß suchen.
Schwarzwild heute: Lebensweise · Bejagung · Schadensbegrenzung · Wildbretverwertung

Hält man sich an diese Regel, werden erstens nicht irrtümlich Bachen erlegt, die ihre Frischlinge abgelegt haben. Zweitens gibt man allen einzeln gehenden Überläuferkeilern die Chance, älter zu werden. Die Regel bewahrt uns davor, besonders starke, gut entwickelte Überläuferkeiler zu erlegen, denn bei einzeln ziehenden Stücken entfällt der Größenvergleich. Diese Verhaltensweise steht einer Reduktion des Schwarzwildbestandes nicht entgegen. Wir bejagen in dieser Zeit fast ausschließlich männliche Stücke, die keine Zuwachsträger sind. Den Zuwachs regeln wir nur über einen hohen Frischlingsabschuss und die Reduzierung der (Überläufer-)Bachen im dritten und vierten Quartal des Jahres.

Regel 2

Aus Ãœberläuferrotten stets schwächstes Stück aussuchen! Das Einhalten dieser Regel hat zur Folge, dass in jedem Fall das stärkste Stück über- lebt. Auch bewahrt uns dieser Grundsatz davor, aus einer Ãœberläufertruppe, die kurzzeitig aus Ãœberläuferbachen und -keilern bestehen kann (Jung- und Ãœberläuferbachen haben sich zum Frischen abgesondert), eine hochbeschlagene Ãœberläuferbache zu strecken, wenn sich schwächere Stücke darunter befinden. Wird aus der Keilerrotte stets der schwächste Ãœberläufer erlegt, greift beim letzten Stück wieder die Regel 1: „Einzeln ziehende Sauen sind tabu!“ Damit kann der stärkste aller Ãœberläufer in das Keileralter hineinwachsen.

Regel 3

Mittelalte Keiler schonen! Keiler werden bedenkenloser erlegt als Bachen, was aus wildbiologischer und aus Sicht der Wildschadensabwehr nicht gerechtfertigt ist. Ist ein starkes Gewaff nicht eine ebenso erstrebenswerte Trophäe wie ein starkes Geweih?

Wenn wir uns an die Regel 3 halten, werden auch in unseren Breiten starke Keiler heranreifen. Oftmals fragen sich die Jäger, die nach Polen oder in andere osteuropäische Länder fahren, um ihren Lebenskeiler zu erjagen, warum wir nicht so starke alte Keiler haben? Weil sie längst vorher als 2- oder 3- jährige Keiler im Kühlhaus geendet sind!

Wie geht man bei der Jagd vor?

Auf Rehe und Sauen: Praxistipps für Jäger

Führungslose, ausgestoßene Überläuferkeiler brechen an der Wald-Feld-Grenze noch in den frühen Morgen- oder schon zeitigen Abendstunden. Hier sollte der Jäger sitzen. Einzelne Sauen oder kleine Rotten verspäten sich zudem oft beim Rückwechsel zum Wald und müssen dabei im Hellen über deckungslose Flächen wechseln. Auch an diesen Stellen ist es lohnend, die Sauen abzupassen. Außerdem wechseln Überläufer zwischen den Deckung bietenden Feldkulturen auch mal über Flächen mit niedrigerem Bewuchs. Frisch bestellte Maisäcker werden im Frühjahr zu Magneten und ziehen die Sauen an.

Dabei sind nun wiederum die Überläuferrottenteam unvorsichtigsten und bieten dem Jäger eine weitere Möglichkeit, auf sie zu Schuss zu kommen. Wann und wie die Sauen letztendlich ihren Einstand verlassen, kann heute so und morgen ganz anders ausfallen. Kommen Überläufer allein, geht es meist geradewegs aus der Dickung. Wechseln die Sauen direkt auf den ansitzenden Jäger zu, sollte er sich auf einen günstig stehenden, geringen Überläufer konzentrieren. Ganz anders die Rotte, die größere gemischte oder auch die reine Überläuferrotte, die lange am Dickungsrand hin- und herzieht und dann in freier Formation aus der schützenden Deckung tritt und zu brechen beginnt. Hier hat der Jäger mehr Zeit, kann die Rotte mit raschen Blicken taxieren und dann einen abseits brechenden, möglichst geringen Überläufer ins Fadenkreuz nehmen. Sind es nur Überläufer und liegt das beschossene Stück im Feuer, gelingt es meist, ein zweites Stück zu beschießen.

Die Überläuferschrecken nach dem ersten Schuss kurz zusammen, spritzen auseinander, verhoffen nach kurzer Flucht und sammeln sich dann wieder. Kommen die Sauen, wie vom ansitzenden Jäger erwartet, nicht auf ihn zu, nehmen einen anderen Auswechsel, heißt es hinterher oder anpirschen. Dazu muss der Jäger die Örtlichkeit genau kennen, einschätzen, ob es sinnvoll ist, nachzupirschen oder ob es besser wäre, die Sauen in Ruhe zu lassen und den nächsten Tag abzuwarten. Wenn wir uns also an eine qualifizierte Bejagung der Überläufer halten, legen wir im Frühjahr eine der wichtigsten Grundlagen für eine zielgerichtete Schwarzwildbewirtschaftung. Das setzt aber voraus, dass sich alle Jäger gleichermaßen daran halten und alle Reviere einer Hegegemeinschaft (das muss nicht unbedingt eine Schwarzwildhegegemeinschaft sein) angehören. Wichtig ist, dass die Rot-, Dam- oder Muffelwildhegegemeinschaft sich auch für die Bewirtschaftung des Schwarzwildes einsetzt.

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